Mittwoch, 25. Februar 2015

Was mache ich nach dem Abitur? - Etwas mit MINT!

Meine erste Gastautorin Lara Render, die ich durch unsere ehrenamtliche Tätigkeit als Mentorinnen für MINT-interessierte Mädchen von Klasse 6 bis 12 bei CyberMentor kenne, hat folgenden tollen Artikel über drei verschiedene Möglichkeiten geschrieben, nach dem Abitur etwas mit MINT zu machen! Hier ist Laras Artikel:

"Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn die Schulzeit erst einmal vorbei ist: Eine Ausbildung, ein Auslandsjahr, ein Studium oder ein Freiwilligendienst.

Wenn du dir noch nicht sicher bist, was du nach dem Abitur machen möchtest oder wenn du weißt, dass du auf jeden Fall erst mal ein Jahr „Pause“ machen möchtest, bevor es nach der Schule mit einem Studium oder einer Ausbildung weiter geht, dann könnte ein Orientierungsjahr genau das Richtige für dich sein.
In diesem Artikel möchte ich drei verschiedene Programme vorstellen, die dir nach dem Abitur die Möglichkeit geben, dich beruflich zu orientieren oder auch einfach mal ein Jahr etwas anderes zu machen als nur Theorie zu pauken. 

Das Freiwillige Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN)
Dieser Freiwilligendienst wird vor allem an Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die die Themengebiete des FJN abdecken, angeboten.  Organisiert wird er von den ijgd (internationale Jugendgemeinschaftsdienste). Über diese läuft die Bewerbung und von diesen erhältst du als Freiwillige eine Vergütung von ca. 390 Euro. Das Kindergeld steht dir - beziehungsweise deinen Eltern - weiter zu und zusätzlich kannst du als Freiwilligendienstleistende Wohngeld beantragen. Ob du dieses bekommst und wie hoch es ausfällt, hängt von den Mitteln der jeweiligen Kommune ab. Ich spreche mit der ehemaligen Teilnehmerin Frauke, die mir berichtet, dass Sie mit den finanziellen Mitteln gut ausgekommen ist, während ich von Kim, einer aktuellen Freiwilligen erfahre, dass für ihre Situation die Mittel zu knapp bemessen sind und sie deshalb Unterstützung von ihren Eltern braucht.
Nun aber zur eigentlichen Tätigkeit: Während des FJN geht man als Freiwillige für ein Jahr lang in eine Institution, in der man dann mithilft und teilweise auch eigene Projekte durchführt. Frauke durfte an ihrer Forschungseinrichtung beispielsweise eigenständig Experimente für Schülerlabore planen, aufbauen und auch durchführen. Sie und Kim sind beide davon begeistert, dass man den Alltag eines Wissenschaftlers live miterleben kann und es möglich ist eine konkrete Vorstellung des Berufsbildes zu erhalten. Außerdem berichten mir beide, wie bereichernd die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sind. Durch intensiven Austausch haben sie ihren Berufswunsch eingrenzen können und fühlen sich auf die Wahl einer passenden Ausbildung besser vorbereitet.
Man kann nicht pauschal sagen, dass ein FJN „so“ aussieht, da jede Einsatzstelle einen anderen thematischen Schwerpunkt hat und die Tätigkeiten jeweils andere sind. Was für alle Freiwilligen gleich ist, sind fünf Seminare, die je eine Woche dauern. Bei den Seminaren kommen alle Teilnehmer des FJN zusammen und können sich über ihre Erfahrungen austauschen, gemeinsam Themen, die sie interessieren, bearbeiten und ihre Situation für sich selbst evaluieren. Was Frauke und Kim nach diesem Jahr auf jeden Fall wissen: Naturwissenschaften sind genau das Richtige für sie. Es ist das, was ihnen Spaß macht und jeder, der nach der Schule Lust hat mal einen praktischen Einblick in Forschung oder Technik zu erhalten oder sich vielleicht noch nicht sicher ist, in welche technische oder wissenschaftliche Richtung genau das Studium gehen sollte, ist beim FJN gut aufgehoben. 

Pro Technicale
Eine zweite Möglichkeit, nach dem Abitur einen näheren Einblick in die Technik zu erhalten, ist Pro Technicale. Bei Pro Technicale handelt es sich um ein Studien- und Orientierungsjahr, welches sehr vielseitig aufgebaut ist und aus vielen einzelnen Blöcken besteht. Die Teilnahme lohnt sich nicht nur für Technikinteressierte, die vor ihrem Studium nochmal ein Jahr lang Verschiedenes kennenlernen und sich mit Praktika aufs Studium vorbereiten wollen, sondern auch für Mädchen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie überhaupt ein Studium im technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich beginnen möchten.
Das Programm legt zwar den Schwerpunkt auf Naturwissenschaft und Technik, deckt aber durch vielseitige Workshops  auch andere Themenbereiche, wie beispielsweise die Philosophie und Wirtschaft ab.
Zu Beginn des Jahres haben die diesjährigen Teilnehmerinnen ein Praktikum bei Airbus gemacht, wie ich von der Teilnehmerin Maren erfahre. Neben dem vierwöchigen Praktikum bei Airbus machen die Teilnehmerinnen noch ein weiteres Inlands- und ein Auslandspraktikum. Viele Teilnehmerinnen gehen zu Partnerunternehmen von Pro Technicale, aber gerade im Ausland dürfen sich die Teilnehmerinnen auch unabhängig von Pro Technicale eine Praktikumstelle suchen.
Ein wichtiger Teil des Programms ist das sogenannte HCAT-Pro, was als Studienvorbereitung gedacht ist. Drei Monate lang erhalten die Teilnehmerinnen von Pro Technicale zusammen mit einigen Auszubildenden, die sich für ein Studium interessieren, Vorlesungen, für die sie nach erfolgreich abgelegter Prüfung auch Credit-points erhalten. Diese können sie sich dann bei einem Studium an der HAW in Hamburg anrechnen lassen.
Im übrigen Teil des Jahres gibt es noch mehrere kleine Workshops, sowie zwei größere: Der eine ist dreiwöchig und findet am Institut für Luftfahrtantriebe in Stuttgart statt. Hier lernen die Teilnehmerinnen mehr über das Segelfliegen und bauen eigenständig ein Segelflugmodell. Ein weiterer Workshop findet in Freiburg statt.  Hier wird über zwei Wochen lang in unterschiedliche Themengebiete hineingeschaut, unter anderem in die Philosophie und den Gesang. Durch die Verknüpfung verschiedener Themenbereiche ist es möglich, Probleme in ihrer Gesamtheit zu erfassen: „Statt abstrakter Betrachtungen werden Zusammenhänge ganzheitlich vermittelt.“ So sieht es Maren.
An Pro Technicale nehmen jedes Jahr 14 Mädchen aus ganz Deutschland teil. Die Teilnahmekosten lassen sich durch ein Stipendium, das bis zu 75 % der Programmkosten abdecken kann, deutlich reduzieren. Außerdem bekommen die Teilnehmerinnen weiter Wohngeld und können zusätzlich Schüler-BAföG beantragen. Da Hamburg jedoch eine teure Stadt ist, sind die Lebenshaltungskosten relativ hoch. Die knappe Wohnsituation braucht den Teilnehmerinnen von Pro Technicale jedoch keine Sorgen bereiten, für etwa 300 Euro können sie ein Zimmer auf dem Pro Technicale-Campus mieten. In einem von drei Häusern wohnen sie dann zusammen mit anderen Teilnehmerinnen. Maren  gefällt das Zusammenleben besonders gut, denn so lernt man die anderen Teilnehmerinnen besonders gut kennen, man unternimmt häufig etwas zusammen und lernt unheimlich viel voneinander. Langweilig wird es also nie!

Niedersachsen-Technikum
Das Niedersachsen-Technikum ist eine dritte Möglichkeit, sich als Mädchen nach dem Abitur in den Naturwissenschaften und der Technik umzusehen. Besonders ist, dass die Dauer des Technikums auf ein halbes Jahr begrenzt ist. An vier Tagen in der Woche sind die Teilnehmerinnen in einem Unternehmen und machen ein Praktikum. Als Entgelt erhalten sie ca. 400 Euro. Einen Tag in der Woche gehen die Teilnehmerinnen an eine von 12 Hochschulen. An welche Hochschule und in welches Unternehmen die Teilnehmerinnen gehen, können sie sich vor Beginn des Programms aussuchen. Neben einem tiefen Einblick in die Tätigkeiten in einem Unternehmen erhalten die Technikantinnen so auch einen ersten Einblick in den Unialltag und können ein weites Netzwerk mit IngenieurInnen, WissenschaftlerInnen und StudentInnen knüpfen.
Ramona, eine ehemalige Teilnehmerin des Projektes, genoss außerhalb des Programms besonders die Möglichkeit, durch den Besuch der Unternehmen anderer Teilnehmerinnen auch einen breiten Überblick über viele Bereiche zu bekommen. Für sie war das Niedersachsen-Technikum nach dem Abitur genau das Richtige, weil sie sich noch nicht für eine konkrete berufliche Richtung im technischen Bereich entscheiden konnte und zunächst überlegt hatte, ein Praktikum zu machen. Beim Niedersachsen-Technikum kann sie neben dem Praktikum noch andere Teilnehmerinnen und die Hochschule besser kennenlernen. Sie empfiehlt das Technikum „allen Mädels, die Spaß an Technik haben und gerne mal ohne Verpflichtungen in technische Berufe reinschauen möchten.“

Alle drei Programme sollen helfen, nach dem Abitur die richtige Entscheidung in Bezug auf die weitere Ausbildung zu treffen, sind jedoch sehr unterschiedlich – deshalb lohnt es sich, einen näheren Blick auf die Programme zu werfen und sich bei Interesse die Kontaktdaten von aktuellen oder ehemaligen Teilnehmerinnen geben zu lassen."

Erstveröffentlichung des Artikels: Render, L. (2015). Orientierungsjahr nach dem Abitur. Verfügbar unter https://cybermentor.de/images/cybernews/ausgabe_2_Jan_15/PDF_Ausgabe_Januar_2.pdf [21.2.2015]

Nähere Informationen zu den drei im Artikel angesprochenen Programmen gibt es hier:

Und Infos zu dem Mentoring-Programm im MINT-Bereich CyberMentor gibt es unter:
www.cybermentor.de [21.2.2015]

Liebe Mädels, es lohnt sich, bei CyberMentor mitzumachen!

Liebe Lara, 
danke für deinen tollen Artikel und deinen Job als Gastautorin!

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